Die Skala der Ausbildung entwickelte sich aus der für die Kavallerie gültigen Heersdienstverordnung 1912, in der Ausgabe von 1937, wobei der Begriff „Skala der Ausbildung“ erst in den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts geprägt wurde. Es nannte sich dort Ziele und Grundsätze der Dressur, gekoppelt an einen detaillierten Ausbildungsplan, der z.B. für acht Wochen ein Reiten ohne Zügel vorsah. Dann war die Reihenfolge der Ausbildungsstufen eine andere. In der HDV waren die Ausbildungsstufen folgendermaßen definiert:

          Gewöhnung an das Reitergewicht

  • Takt, Losgelassenheit
  • Entwicklung der Schubkraft und des Ganges. Anlehnung
  • Geraderichten
  • Durchlässigkeit, Beizäumung
  • Entwicklung der Tragkraft. Versammlung
  • Entstehung der Aufrichtung
  • Gebrauchshaltung (Sie bildet die Regel)
  • Dressurhaltung (darf ... nur kurze Zeit gefordert werden)

Der Vorläufer der heutigen Skala der Ausbildung findet sich dann bei Siegfried von Haugk: "Die Ausbildung der Rekruten im Reiten" bei Mittler und Sohn 1940. Herr Haugk definiert die Reihenfolge, hier Ziele der Dressur genannt, im Anhang für Reitlehrer S. 104ff. entsprechend der heutigen Ausbildungsskala.

Punkte der Ausbildungsskala [Bearbeiten]

Das übergeordnete Ziel der Ausbildungsskala, und damit der Ausbildung, ist ein durchlässiges Pferd, also ein Pferd das in körperlicher und psychischer Hinsicht zu einem angenehmen, gehorsamen und vielfältig ausgebildetem Reitpferd ausgebildet wurde. Ausbilden ist kein Abrichten oder Dressieren, sondern eine systematische Gymnastizierung. Ein Pferd ist durchlässig, wenn es die Hilfen des Reiters zwangslos und gehorsam annimmt.

Basis der Skala ist die Zwanglosigkeit − die physische und psychische Entspannung −, die in jedem Stand der Ausbildung erhalten bleiben muss, um die volle Leistungsbereitschaft und Leistungsfähigkeit des Pferdes zu erhalten. Ein Verlust der Zwanglosigkeit hat meist auch einen Verlust des Taktes, immer den Verlust der Losgelassenheit zur Folge.

Die Skala ist weniger als eine fest abgegrenzte chronologische Folge als vielmehr als ein Ineinandergreifen der Ausbildungschritte zu sehen. Zur Reihenfolge der einzelnen Schritte gibt es erhebliche Diskussionen. So entwickelt die iberische Reitschule den Schwung aus der Versammlung (zur logischen Herleitung vgl. z.B. Peter Spohr: Die Logik in der Reitkunst), während z.B. Reiner Klimke und andere die Losgelassenheit als grundlegend für den Takt ansehen.